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Kranichspuren im Sand |
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Lichtenauer See |
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Mähnengerste |
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Ein Großschutzgebiet und eine Modellregion, entstanden
aus Initiative und langem Atem: Der Niederlausitzer Landrücken
Gespräch mit Naturparkleiter Helmut Donath
Januar 2005
Steckbrief: Der 58.000 ha große Naturpark liegt in
Südbrandenburg und vereint Flächenanteile von vier
Landkreisen: Dahme-Spreewald (48%), Oberspreewald-Lausitz
(33%), Elbe-Elster (12%) und Teltow-Fläming (7%). 15
% seiner Fläche sind durch den Braunkohletagebau geprägt;
die Bergbaufolgelandschaft gibt ihm deshalb ein besonderes
Gepräge und eine herausragende naturschutzfachliche und
landschaftsästhetische Bedeutung. Die Akteure des Naturparks
und ihre Vorgänger haben in der Tagebauregion frühzeitig
Verantwortung für die lokale Gestaltung und Kommunikation
des Sanierungsprozesses übernommen. Aufgrund des historischen
Zusammentreffens von Naturparkgründung und Bergbausanierung
hat sich der Naturpark Niederlausitzer Landrücken zu
einem landschaftsprägenden Akteur entwickeln können,
der die Geschicke der ihm anvertrauten Flächen sichtbar
mitbestimmt.
Vorgeschichte: Der Naturpark "Niederlausitzer Landrücken"
ist aus dem kontinuierlichen Engagement ehrenamtlicher Naturschützer
hervorgegangen, das bis in die sechziger Jahre der DDR zurückreicht.
Im "Biologischen Arbeitskreis Luckau", der sich
1978 den Namen des Biologen und Naturschützers Alwin
Arndt gab, fanden sich seit 1966 Freizeitbiologen unterschiedlicher
Fachinteressen zusammen, um sich über ihre heimatlichen
Naturräume auszutauschen, politischen Einfluss auf ihren
Schutz zu nehmen, junge Menschen in die Naturschutzarbeit
einzuführen, die Öffentlichkeit für umweltrelevante
Themen zu interessieren und durch die Kooperation mit landwirtschaftlichen
Betrieben die praktizierten Umweltstandards in der Landnutzung
zu verbessern. Frühzeitig setzte man auf die Kompetenz
regionaler Verwaltungen; so wurden z.B. auf Kreisebene Landeskulturbeauftragte
durchgesetzt. Im Spannungsfeld von staatlicher Gängelung
und der gezielten Nutzung staatlicher Strukturen erarbeiteten
die Mitglieder des Arbeitskreises sukzessive öffentliche
Anerkennung für die von ihnen gesetzten Schwerpunkte.
Eine Schriftenreihe (die "BiologischenStudien")
dokumentiert noch heute die intensive Tätigkeit des Vereins
und seiner Freunde.
Das jahrzehntelange Engagement prägt auch die Arbeitsweise
der heutigen Naturparkverwaltung und stiftete günstige
Rahmenbedingungen, vor allem eine ausgeprägte Akzeptanz
unter anderen landschaftsprägenden Akteuren. Im Konfliktfall
tragen die gewachsene persönliche Bekanntschaft und oftmals
gemeinsam getragene Verantwortung zu gegenseitigem Respekt
bei der Austragung und ggf. zu einer Entschärfung bei.
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Helmut Donath mit Rangern der Naturwacht |
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Böschungssanierung im Naturschutzgebiet Lichtenauer
See |
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Jüngere Geschichte des Naturparks: Das im Biologischen
Arbeitskreis einmal gebündelte Potenzial musste nach
der 1989er Wende in neue Formen überführt werden.
Helmut Donath: "Wir fragten uns: Was wird nun aus den
ganzen Errungenschaften?" Die alten Verwaltungen wurden
umstrukturiert, die Betriebe lösten sich auf bzw. kündigten
ihre Kooperation auf, die Naturschützer wiederum professionalisierten
sich. Helmut Donath war bis zur Wende Lehrer und arbeitet
1990 bis 1992 beim Umweltamt des Kreises Luckau, danach im
Landesumweltamt Brandenburg. Die Naturschützer sahen
sich nach bewährten Modellen um und stießen dabei
auch auf den Begriff "Naturpark", der in der alten
Bundesrepublik eine vergleichsweise lockere Kategorie darstellte.
Rat holte man sich unter anderem bei Landtagsabgeordneten
Nordrhein-Westfalens, die man schon bald nach der Grenzöffnung
im Jahr 1990 in Düsseldorf aufsuchte.
Ein Kristallisationspunkt für die Entwicklung des Naturparks
wurde zunächst der Höllberghof, der als modellhafte
Umweltbildungseinrichtung in die gesamte Region ausstrahlen
sollte. Die Anfangsbedingungen waren günstig, die Akzeptanz
für das Naturparkvorhaben aus den o.g. Gründen gut.
Trotzdem sollte es bis 1997 dauern, bis der Naturpark offiziell
gegründet und vom Land Brandenburg anerkannt werden konnte.
Die Kreisgebietsreformen, geschürte Ängste vor der
"Investitionsbremse Naturschutz" und Animositäten
des damaligen Landwirtschaftsministers Edwin Zimmermann lagen
dazwischen. Heute ist der Naturpark etabliert und strahlt,
im Gegensatz zu Großschutzgebieten, die stärker
auf rein traditionelle Kulturlandschaften bezogen sind, eine
gewisse Frische aus. Die Verwaltung hat ihren Sitz im Gärtnerhaus
in Fürstlich Drehna und bringt damit zugleich einen Arbeitsschwerpunkt
der Zukunft zu Ausdruck: Die Entwicklung eines Tourismus,
der die kulturgeschichtliche Substanz der Region mit ihrer
naturräumlichen Attraktivität verbindet.
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Mit dem Wasseranstieg gehen die ersten Stadien der
Wiederbesiedlung verloren.
Künftiger Schlabendorfer
See |
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Tornower Niederung. Aus einer durch Rekultivierung
um 1970 Ackerfläche entsteht ein Naturentwicklungsgebiet |
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Wanninchen, ein Anker in der Bergbaufolgelandschaft: Parallel zur schwierigen Geburt der Institution des Naturparks
liefen in Schlabendorf- Süd die Sanierungsarbeiten an.
"Das war noch eine totale Wüste". Gerade die
Naturschützer waren es, die frühzeitig den Wert
der neu entstehenden Landschaftselemente als Refugien für
Pflanzen und Tiere und als Flächen mit hoher natürlicher
Dynamik erkannten. Sie organisierten Exkursionen und führten
auch andere Menschen jenseits der Niederlausitz an die Landschaft
heran, eine Tätigkeit, die Jahre später in den Kauf
umfangreicher Flächenanteile der Schlabendorfer Felder
durch die Heinz-Sielmann-Stiftung münden sollte. "Wir haben dort viel erlebt. Am Anfang
hat man uns ausgelacht, es konnte keiner etwas damit anfangen."
Was fehlte, war ein Standbein in der Bergbaufolgelandschaft
selbst. Dies lag schon wegen der sehr widrigen Winderosion
in den Restlöchern nahe, ein Rückzugsraum wäre
günstig gewesen. Es gab aber auch andere Zwecke, die
die Akteure verfolgten: "Der Randbereich zwischen Schlabendorf
und Beesdau war eine einzige Müllkippe, hier hätten
wir gern kontinuierlich ein Auge drauf gehabt. Außerdem
brauchten wir ein Objekt, an dem wir unsere Gerätschaften
unterstellen und in dem wir uns mit Gästen einmal hineinsetzen
konnten." Aus diesem Bedürfnis heraus entstand schon
in den letzten Tagen der DDR die Idee, im einzigen nicht überbaggerten
Haus der Ortschaft Wanninchen eine Naturschutzstation zu errichten.
Dies gelang, nach einigem Hin und Her: Helmut Donath empfahl
1991 dem LUA die Liegenschaft als Naturschutzstation, bald
darauf wurde sie unter der Leitung von Ralf Donat auch eingerichtet
und mit Hilfe enthusiastischer ABM-Kräfte aufgebaut.
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Stoßdorfer See mit Badegästen |
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Steppensee im Naturschutzgebiet Wanninchen |
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Braunkohleausschuss und Arbeitskreis Schlabendorfer Felder: 1990 fanden im benachbarten Schlabendorf tief greifende persönliche
Auseinandersetzungen um die Zukunft des Ortes statt. Der ursprünglich
geplante und bereits aufgeschlossene Tagebau Schlabendorf-
Mitte bedeutete den einen den Verlust ihres Hauses und Heimatortes;
andere, die sich bereits mit einem Umzug abgefunden hatten
und auf einen Arbeitsplatz oder einen lukrativen Ausgleich
hofften, verlangten dagegen vehement eine Fortführung
des Tagebaues. Schließlich wurde die Kohleförderung
per Kreistagsbeschluss hier eingestellt und hinterließ
viele offene Fragen. Wie sollten die betroffenen Ortschaften
und ihre Bürger in den Sanierungsprozess eingebunden
werden? Welche Rolle sollte die mögliche Ausweisung von
Flächen als Naturschutzgebiete und ihre Einbindung in
den erhofften Naturpark dabei spielen? Welche Nutzungsperspektiven
sollte man planend vorwegnehmen, welche nach Möglichkeit
verhindern? Wie ließen sich die verschiedenen und z.T.
zerrissenen Interessen sowie die mannigfaltigen und vielschichtigen
Sanierungsprobleme zu einer gemeinsamen Perspektive zusammenführen?
All diese Fragen bewogen Helmut Donath und seine Mitstreiter,
sich frühzeitig in die gesamten Sanierungsprobleme einzuarbeiten.
Gemeinsam mit der damaligen Pfarrerin John wurde er im September
1990 vom Kreistag in den provisorischen Braunkohleausschuss
delegiert. Bald wurde dort der Beschluss gefasst, regionale
Arbeitskreise einzurichten - daraus ging der Arbeitskreis
Schlabendorfer Felder hervor, dessen Leiter Donath wurde.
Der Arbeitskreis bot zunächst Raum für intensive
Diskussionen. Donath betrachtet die Schaffung dieser kommunikativen
Plattform heute als eines der zentralen Verdienste dieses
Gremiums. "Immerhin gab es alte Kränkungen, es standen
sich verletzte Bergleute, denen Umweltzerstörung vorgeworfen
worden war, und erboste regionale Akteure, die sich gegen
den Tagebau Schlabendorf- Mitte gewandt hatten, gegenüber.
Vieles konnte schon in der Diskussion beigelegt werden und
nach und nach ist auch ein gemeinschaftliches Gefühl
entstanden." Die Bereitschaft, sich einzubringen, sei
bei den Beteiligten sehr hoch gewesen. "Niemand hat auf
die Uhr geguckt. Ein bisschen herrschte noch der Geist der
runden Tische - alle mussten vertreten sein, auch wenn sie
keine große Lobby hatten."
Auf diese Weise entwickelte der Arbeitskreis sukzessive Vorstellungen
für eine nutzungsorientierte Sanierung der Bergbaufolgelandschaft,
über die bei den Beteiligten Konsens bestand. "Mit
diesen Ergebnissen sind wir in den Braunkohleausschuss gegangen
und die sind dann auch mit wenigen Änderungen so durchgegangen."
Die naturschutzfachliche Perspektive war durch die Arbeit
Donaths von vornherein angelegt und konnte mit den anderen
Akteuren kommuniziert und angepasst werden. So geht z.B. die
auf intensivere Freizeitnutzungen gerichtete Planung für
den Drehnaer See bereits auf die Gespräche im Arbeitskreis
zurück.
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Sukzessionsbereich im Naturschutzgebiet Wanninchen |
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Naturparkzentrum Wanninchen am Schlabendorfer See |
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Konflikte heute - und Chancen für morgen: Die
besondere Chance der Bergbaufolgelandschaft sieht Donath in
ihrer Langsamkeit: Die Sukzession erfolgt wegen des Boden-
und Wasserchemismus sowie wegen der Erosion äußerst
langsam, dadurch könnten charakteristische Biotoptypen
und Strukturen sehr lange erhalten bleiben. "Auf lange
Sicht ist hier z.B. Raum für Rohbodenpioniere."
Vorstellungen einer intensiveren Naherholungsnutzung begegnet
Donath mit Vorsicht, auch im Interesse der Gemeinden selbst.
"Man muss was Besonderes machen, sonst können die
Leute auch zum Senftenberger See fahren, und dort kriegen
sie was Größeres." Es sei wichtig, an einem
guten Profil zu arbeiten. "Es gibt hier Flecken, die
sind einmalig. Wenn man in einer Niederung steht und um sich
blickt, hat man nicht einmal mehr einen Anhaltspunkt, in welcher
Gegend man sich befindet - es ist alles wie in einer fremden
Welt."
In diesem Kontext sei die Idee einer Solarfähre
auch eine gute Idee, Vorstellungen eines ungehemmten Bootstourismus
dagegen wären nicht nur aus der Sicht des Landeigentümers
Sielmann-Stiftung kurzatmig. "Für einen Investor
ist es wichtig, dass er zu den interessanten Reliefs einen
privilegierten Zugang hat, sonst kann er das Naturerlebnis
doch nicht vermarkten." Donath stellt sich vor, dass
der unsanierte Bereich im Schutzgebiet mit nur dem Boot zu
erreichen ist - dadurch würde er sowohl vor Zerstörung
durch Motorräder und Vermüllung geschützt als
auch zu einem erstklassigen exklusiven Naturereignis. Außerdem
sei es sowohl das Recht der Sielmannstiftung als Eigentümer,
eigene Vorstellungen zu entwickeln als auch deren Verpflichtung
gegenüber ihren Geldgebern, die ja gerade einen Schutz
der Landschaft vor Übernutzung finanziert hätten.
Helmut Donath blickt überwiegend optimistisch in die
Zukunft der Schlabendorfer Felder. Gemessen an dem, was er
und seine Mitstreiter bereits unmerklich bewegt haben, so
dass viele lokale und regionale Partner den gegenwärtigen
Zustand beinahe als eigene Erfindung wahrnehmen, scheint das,
was noch zu leisten ist, um die Flächen dauerhaft auf
eine nachhaltige Entwicklung einzurichten, durchaus möglich.
Und wo doch harte Interessenkonflikte bleiben, denkt Donath
systematisch: "Man muss mit Konzepten antworten."
Fotos: Helmut Donath
Kontakt:
Naturpark Niederlausitzer Landrücken
Luckauer Straße 1
15926 Luckau
Telefon: 035 324 - 305-0
Telefax: 035 324 - 305-20
E-Mail: np-niederlausitzer-landruecken@lua.brandenburg.de |