Landschaftswerkstatt


Die Landschaftsinsel 6

Die Internationale Bauausstellung (IBA) Fürst-Pückler-Land findet von 2000 bis 2010 in der Lausitz statt. Sie ist mehr als eine gewöhnliche Ausstellung - sie ist ein Zukunftsprogramm für die ehemalige Bergbauregion des Niederlausitzer Kohlereviers. Mit 24 beispielhaften Projekten und ausgewählten EU-Projekten will die IBA wirtschaftliche, gestalterische und ökologische Impulse für den nötigen Strukturwandel in der Region geben. Die Landschaftsinseln - neun an der Zahl - sind ein strategisches Instrument der IBA, ihre Projekte in den Bergbaufolgelandschaften zusammenzufassen. Jede der Landschaftsinseln folgt einem Leitthema, einer inhaltlichen Definition unter Berücksichtigung ortspezifischer Gegebenheiten, die den Projekten die Richtung vorgibt. Die Leitthemen reichen von der Industriekultur und Landschaftskunst über Wasserwelt und Kulturlandschaft bis zu Seestadt - Stadtsee und Europa.

Die Schlabendorfer Felder sind ein Teil der Landschaftsinsel 6, deren leitendes Thema im Namen anklingt: "Seese-Schlabendorf: Vorindustrielle Kultur - Nachindustrielle Natur". Auf der Internetseite ist die Richtung der Projekte skizziert, die hier verfolgt wird. "Der Raum im Norden der IBA zeichnet sich durch verschiedene Landschaftsmilieus aus: In Verbindung mit den Zeugnissen der vorindustriellen Kultur wie der Slawenburg Raddusch und der Schlossanlage Fürstlich Drehna entwickeln sich an den entstehenden Seen neue Freizeitangebote. In anderen Bereichen sind weite Flächen dem Naturschutz gewidmet und laden leise und geheimnisvoll zur Entdeckung ein. Diese Kontraste gilt es zu inszenieren und in konkreten Bildern weiter auszuformen."


Die IBA-Terrassen in Großräschen, dem Ausstellungs- und Besucherzentrum der Internationalen Bauausstellung, gewähren nicht nur einen Blick in einen Tagebau, sie beherbergen auch eine Ausstellung zur Geschichte der industriellen Nutzung des Lausitzer Kohlerviers.



Die Arbeit der IBA setzt in der Regel an Projektideen an, die von Akteuren in den Landschaftsinseln entworfen und an sie herangetragen wurden. Passen sie zu dem in der Region bekannten Leitthema, sind innovativ und realisierbar, werden sie in den Stand eines IBA-Projektes erhoben und erfahren eine gezielte Förderung und Betreuung. Ohne einen interessierten Partner vor Ort wird die IBA nur in Ausnahmefällen aktiv. Derzeit werden drei Projekte betreut:

  • Die Slawenburg Raddusch; sie liegt außerhalb der Schlabendorfer Felder in der Bergbaufolgelandschaft Seese und wurde vom Landesamt für Denkmalpflege initiiert, das hier archäologischen Funde aus der 10.000-jährigen Kulturgeschichte der Lausitz präsentiert.
  • Das Schlossensemble Fürstlich Drehna; für das Projekt Fürstlich Drehna wird der Handlungsspielraum darin gesehen, dass vorhandene kulturgeschichtliche Potential des Schlossensembles und der gesamten Ortslage vor dem Hintergrund des in der Umgebung entstandenen Naturpotentials zu bewahren und herauszuarbeiten.
  • Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen; die "Kunst des Nichtmachens" im Umgang mit dem einzigartigen Naturpotential der Bergbaufolgelandschaft steht hier im Mittelpunkt. Damit reagiert die IBA auf die Interessenslage der Heinz-Sielmann-Stiftung und auch des Naturparks Niederlausitzer Landrücken, die Landschaft für eine schonende Erholungsnutzung zu öffnen.

 

Eine eiserne Stele, von der IBA zwischen Ortsrand und dem nahen Drehnaer See aufgestellt, kennzeichnet das IBA-Projekt. Sie informiert über Geschichte und Perspektive des Ortes.

 

Am Schlabendorfer See, wo einst Wanninchen stand. Die Sielmann Stiftung hat hier Flächen erworben, um der natürlichen Dynamik der Bergbaufolgelandschaft Raum zu geben.

 
 

Kunstsommer 2002; Beverly Piersol: Fences - Markierung des ursprünglichen Angerverlaufs, gemeinsame symbolische Zaunversetzung mit den Anwohnern. Fürstlich Drehna
(Foto: Christian Kaiser)

 

Kunstsommer 2002; Felice Varini: une ligne: sept droites, huit points - Farbige Liniensegmente auf Gebäudeteilen, ein Standpunkt fügt die Segmente zusammen. Wirtschaftshof des Gutes, Fürstlich Drehna
(Foto: Christian Kaiser)

 

Kunstsommer 2002; Dimitri Xenakis: point orange - Drei verschiedene Landschaftselemente mit einer Kreisform aus gefärbten Hölzern verbunden. Schlosspark - Tagebaufolgelandschaft - Kulturlandschaft, Fürstlich Drehna
(Foto: Christian Kaiser)

   



Antje Boshold ist Stadt- und Regionalplanerin und betreut die IBA-Projekte in der Landschaftsinsel 6. 2002 begann sie, kulturelle und künstlerische Veranstaltungen für Fürstlich Drehna zu konzipieren, zu organisieren und umzusetzen, die die Besonderheit des Ortes herausarbeiten sollen.

Den Auftakt bildete 2002 "Sinnlich Drehna" - ein Kunstsommer in Fürstlich Drehna und in den Gärten der Sinne bei Walddrehna. In Kooperation mit dem Verein "Gärten der Sinne e.V." aus dem nahen Gehren wurden internationale Künstler, die alle modernen Formensprache nahe standen, eingeladen, sich mit den Orten und der umliegenden Bergbaufolgelandschaft auseinander zu setzen. Die 13 Installationen und Objekte sollten die Schnittstellen zwischen alten und neuen Landschaftselementen gestalten und die Begegnung von Kunst, Landschaft und Leuten befördern. Die Arbeit der Künstler wurde in Fürstlich Drehna skeptisch aufgenommen. Es kostete dementsprechend einige Kraft, erste Kooperationen für dieses Projekt aufzubauen.

2003 folgte eine Filmnacht. Im Schlosshof, im Innenhof des alten Amtshauses und im Saal des Gasthofes "Zum Hirschen" wurden Filme gezeigt, die mit dem Ort zu tun haben, z.B. der DEFA-Film "Der Meisterdieb", der teilweise in Drehna gedreht wurde und viele ältere Einwohner anzog. Auch Tierfilme von Heinz Sielmann kamen zur Aufführung. Kooperiert wurde hier nicht nur mit der Brandenburgischen Schlössergesellschaft, der damaligen Eigentümerin des Wasserschlosses, sondern auch mit Kurzfilmern aus Senftenberg, dem Heimatverein, dem Gastwirt und anderen.


Flyer zum Literarischen Spaziergang vom Wasserschloss, durch den Park und die Tagebaulandschaft zum historischen Weinberg zu Fürstlich Drehna.



Im Rahmen des Förderprogramms Kulturland Brandenburg wurde für 2004 ein Literarischer Spaziergang vom Wasserschloss, durch den Park und die Tagebaulandschaft zum historischen Weinberg zu Fürstlich Drehna entworfen und angeboten. Der Weg wird von sechs Kunstwerken des Bildhauers Franz Robert Cislik markiert, der Objekte aus Weinflaschen schuf. Die Führungen wurden von Schauspielern des Staatstheaters Cottbus inszeniert, die literarische Texte zum Thema Wein vortrugen.
2005 - im Rahmen der "Werkschau 05" zur Halbzeit der IBA - wurde das dreitägige Fest "Fürstlich Feiern" aufgelegt: Mit einem Konzert im Schlosshof, einem Historischen Markt auf dem Lindenplatz und einem Romantischen Parkfest. Neben der Wiederauflage des Literarischen Spaziergangs zum historischen Weinberg wurden an diesem Wochenende weitere Touren eingebunden: die Expedition "Lust auf Natur" des Heinz Sielmann Naturparkzentrums in Wanninnchen und die naturkundliche Wanderung der Naturparkverwaltung in Fürstlich Drehna.

2005 wurde "Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen" ein IBA-Projekt. Unter den IBA-Projekten steht es exemplarisch für die ökologische Vielfalt der nachindustriellen Bergbaulandschaften. Die Verbindungen von Naturschutz und erholungsbezogener Nutzung sollen hier den Focus bilden. Die Heinz-Sielmann-Stiftung hat große Flächen am Schlabendorfer See erworben, um hier die ungestörte natürliche Sukzession von Teilen der Bergbaufolgelandschaft zu ermöglichen. Rundwanderwege zur bewussten Besucherlenkung werden von der Stiftung angelegt, um Einblicke in die dynamische Entwicklung der Landschaft zu gewähren. Die sich selbst zu überlassene Natur schafft auch touristisch attraktive Landschaftsbilder, die ein ökonomisches Potential für die Stärkung der Region bergen. Anliegen der IBA ist es, die Stiftung bei der Entwicklung und Bekanntmachung ihrer touristischen Angebote zu unterstützen.


 

Flächen der Heinz Sielmann Stiftung am Schlabendorfer See: Rundwege sollen zukünftig Einblicke in die Gestaltungskraft natürlicher Prozesse geben.

 

Auftaktveranstaltung zum IBA-Projekt "Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen" im April 2005.
Der Naturparkleiter Helmut Donath, der Präsident des Landesumweltamtes Prof. Matthias Freude, der IBA-Leiter Prof. Rolf Kuhn, Walter Stelte von der Sielmannstiftung und Dr. Mahmut Kuyumcu als Vertreter der LMBV (v.l.n.r.) haben neben anderen Persönlichkeiten im Präsidium Platz genommen.



Über die Arbeit an diesen kulturellen Veranstaltungen haben sich nicht nur einige Partnerbeziehungen zwischen der IBA und Akteuren aus Fürstlich Drehna gebildet, sondern auch Kooperationen mit dem Tourismusverband Niederlausitzer Land e.V. aus Luckau und dem Umweltbildungszentrum des Naturparks "Höllberghof". Der Leiter des Naturparks, Helmut Donath, ist ein wichtiger Multiplikator für das Engagement der IBA in der Region. Die LMBV erteilt unkompliziert die Genehmigungen, die für die kulturellen und künstlerischen Arbeiten in der Landschaft nötig sind.

In der Vergangenheit sind einige Projekte an die IBA herangetragen und nicht in die Landschaftsinsel 6 einbezogen worden:
"Schlabendorf am See" - ein Projekt der Gemeinde Schlabendorf, das der Intention folgt, in Verbindung mit dem Naturpark und der Sielmannstiftung eine sanfte touristische Nutzung des Sees zu etablieren. Eine Solarfähre könne den See erschließen, "Aquopolis" - eine schwimmende Plattform über der abgebaggerten Siedlung Presenchen mit einer Ausstellung - über den Wandel der Landschaft informieren. Die IBA, daran interessiert, dass keine Konkurrenz zur Landschaftsinsel 5 "Wasserwelt Lausitzer Seenkette" aufgebaut wird, setzte sich für eine realistische Planung ein, die der dörflichen Struktur Schlabendorfs gerecht wird und das umliegende naturräumliche und kulturelle Potential einbezieht. Die Aufnahme als IBA-Projekt hängt offensichtlich von der Aufnahme der Planungen ab, die im Auftrag der LMBV durch das Büro "Thales Center of Expertise Real Estate Utilization" aus Berlin für den Gesamtraum des Schlaberdorfer Sees erarbeitet wurden.
"Bischdorfer See" - ebenfalls ein Projekt, eine Ortslage an einem Tagebausee touristisch zu entwickeln. Aber hier brachten die Kommune und der Landkreis kein Interesse auf und um das Projekt wurde es ruhig.
"Haus und Natur" - Hier sollten Häuser unterschiedlicher Baustile auf die naturräumliche Situation der BFL reagieren. Die IBA habe das Projekt wenn auch für die Landschaftsinsel 5 "Wasserwelt Lausitzer Seenkette" interessiert, so Frau Boshold. Der Initiator bestand jedoch auf die Integration des Schlosses Fürstlich Drehna.
"Wellnesshotel Zinnitz" - diese Idee eines Investors erledigte sich schnell.


 

Fotos: Lars Fischer

Kontakt:
IBA Fürst-Pückler-Land
Antje Boshold
boshold@iba-see.de

www.iba-see.de

 

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