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Silbergras |
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Vegetationskundliche Untersuchungen
Die Vegetation der Bergbaufolgelandschaften wird seit 1995
am Lehrstuhl Allgemeine Ökologie der BTU wissenschaftlich
untersucht. Sie ist durch die standörtlichen Besonderheiten
der ehemaligen Tagebaue geprägt, die sich durch vollständigen
Abtrag und künstliche Neubildung der Oberfläche
erklären. Verschiedene Vegetationstypen der terrestrischen
Offenlandbereiche der Niederlausitz werden beschrieben. Sie
gehen zum einen Teil auf Ansaaten zurück, zum anderen
Teil haben sie sich durch freie Sukzession entwickelt. Typisch
für die Offenlandbereiche ist ein kleinflächiges
Mosaik verschiedener Vegetationstypen, die sich gegenseitig
durchdringen und breite Übergänge ausbilden. Die
Vegetationsbestände sind in hohem Maße durch individuelle
Eigenschaften ausgezeichnet und lassen keinen linearen Sukzessionsverlauf
erkennen. Seit dem Jahr 2001 wird im Rahmen des Verbundprojektes
SUBICON zusätzlich zu den Offenlandbereichen die Vegetation
von Roteichenökosystemen hinsichtlich der Biodiversitätsentwicklung
erforscht. Es werden unterschiedliche Vegetationsausprägungen
der Krautschicht sowie ein experimenteller Ansatz vorgestellt.
In Teilprojekt 2 der 1. Phase des BMBF-Verbundvorhabens wurde
untersucht:
- die Diversität der Krautschicht in von Roteichen
(Quercus rubra L.) dominierten Ökosystemen,
- die Auswirkung von Bodenstörung auf Vegetation (Sukzession
und Biodiversität).
In der Bergbaufolgelandschaft der Niederlausitz sind kleinräumige
Bodenstörungen ein wichtiger Faktor bei der Diversitätsentwicklung
innerhalb der natürlichen Besiedlung von Offenlandflächen
durch Pflanzen. Die auffälligsten Bodenstörungen
werden dabei von den zahlreich vorkommenden Wildschweinen
verursacht. Sie durchwühlen bei ihrer Nahrungssuche in
charakteristischer Weise den Boden und schaffen vegetationsfreie
Flächen. Es stellt sich die Frage, ob diese Bodenstörungen
in Forstökosystemen eine ebenso große Rolle für
den Erhalt und die Entwicklung der Biodiversität darstellen
wie im Offenland. Diese Frage wird innerhalb des SUBICON-Projekles
mit einem experimentellen Ansatz beantwortet. Auf ausgewählten
Flächen in Roteichenökosystemen und auf Vergleichsstandorten
im Offenland wurde die Wühltätigkeit der Wildschweine
in standardisierter Weise imitiert und die Sekundärsukzession
auf den Störungsflächen untersucht. Es zeigt sich,
dass für die Wiederbesiedlung der Störungsflächen
zunächst dem Diasporenpotenzial der unmittelbaren Umgebung
(Diasporenbank. angrenzende Vegetation) die wichtigste Bedeutung
zukommt. |
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Störungsflächen durch Wildschweine und experimentelle
Störungsflächen inmitten einer Sandrockerasenfläche
mit Kiefernsukzession, Schlabendorf Süd |
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Experimentelle Störungsfläche in einem Roteichenforst,
Schlabendorf Nord |
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Übersicht über vegetationskundliche Analysen
im Rahmen des SUBICON I-Verbundprojektes |
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Ca. 20-jähriger Roteichenbestand in der Bergbaufolgelandschaft
von Schlabendorf-Nord |
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Diversität der Krautschicht in von Roteichen (Quercus
rubra L.) dominierten Ökosystemen
Im Mittelpunkt der Forschungen
standen Beschreibung und Erklärung sowohl der Aufrechterhaltung
als auch der Veränderung der Biodiversität der Pflanzen
im Laufe der Ökosystementwicklung. Es zeigte sich, dass
sich die Vegetation in der Krautschicht der Roteichen-Ökosysteme
stark zwischen den ehemaligen Tagebauen unterscheidet. Eine
Zu- oder Abnahme der Artenzahl mit dem Alter der Bergbaufolgelandschaft
konnte nicht festgestellt werden. Ebensowenig ergaben sich
signifikante Korrelationen der Artenzahl mit gemessenen Bodenwerten
und Strukturparametern, wie Anzahl und Höhe der Bäume
sowie Deckung der Baum- bzw. Laubschicht. Hingegen hängt
die Artenzahl in einem Roteichen-Ökosystem wesentlich
von der Umgebungsvegetation und der Geschichte des Standortes
ab. Die höchsten Artenzahlen wurden in der ältesten
Bergbaufolgelandschaft erreicht. Durch kleinräumigen
Abbau der Braunkohle war hier eine heterogene Bergbaufolgelandschaft
entstanden, die sich auf die Artenvielfalt positiv auswirkte.
Doppelt so viele Arten wie auf den Rot- und Traubeneichen-Referenzflächen
des gewachsenen Landes wurden gefunden. Aus den Untersuchungen
folgt, dass im Mischbestand anstatt in Reinkultur gepflanzte
Roteichen sowie durch freie Sukzession entstehende Wälder
die Pflanzenvielfalt in der Bergbaufolgelandschaft erhöhen
können. Die Ergebnisse werden demnächst in einem
Buch über SUBICON I veröffentlicht. |
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Versuchsdesign und Blick auf die Probestelle Schlabendorf-Süd
Trockenrasen, 22. Juni 2002, 14 Wochen nach Durchführung
der Bodenstörungen. |
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Auswirkung von Bodenstörung auf die Sukzession
und Diversität der Vegetation
Die Untersuchungen fanden in drei unterschiedlich alten Bergbaufolgelandschaften
in der Niederlausitz/Brandenburg statt. Es handelt sich um
Schlabendorf-Süd (12 Jahre alte Flächen), Schlabendorf-Nord
(26 Jahre) und Plessa (55 Jahre).
Auf einer räumlichen Skala von wenigen Quadratmetern
sind Wildschweine die Hauptbodenstörer in der Bergbaufolgelandschaft
der Niederlausitz. Ihre Wühltätigkeit wurde innerhalb
der Untersuchungen in standardisierter Weise durch Bodenstörungen
imitiert. Dies ist eine geeignete Methode, um den Verlauf
der Sekundärsukzession nach kleinräumigen Bodenstörungen
zu erforschen. In jeder der drei Bergbaufolgelandschaften
wurden als repräsentative Vegetationsstrukturen eine
Sandtrockenrasenfläche, ein Calamagrostis-Bestand und
ein Roteichenforst ausgewählt. Insgesamt wurden neun
Probestellen eingerichtet. Ergänzend zu den Störungsexperimenten
fanden ortsgleich Untersuchungen zur Diasporenbank und zum
Diasporenanflug statt.
Im Herbst 2001 wurden an jeder der neun Probestellen sechs
Störungsflächen nach einem einheitlichen Versuchsdesign
festgelegt und markiert (s. Abb. 3). Insgesamt wurden 54 Störungsflächen
markiert. Vor dem Störungseingriff wurde auf diesen Flächen
die Vegetation aufgenommen. Wegen des großen Wildschwein-Bestandes
wurden die Flächen im Winter 2001/2002 gegen unkontrollierte
natürliche Nachfolgestörungen eingezäunt. Im
Februar 2002 wurden bei der Suche nach einer praktikablen
Methode zur Durchführung der Bodenstörungen Beobachtungen
an gegatterten Wildschweinen durchgeführt. Als Ergebnis
dieser Beobachtungen fanden die Bodenstörungen im März
2002 nach folgender Methode statt: Mit einem Spaten wurde
die Erde ca. 10 cm tief umgegraben, ohne das Pflanzenmaterial
zu entfernen. Die Wiederbesiedlung mit Pflanzen wurde durch
Rasteraufnahmen erfasst, die eine punktgenaue Aufnahme der
Individuen ermöglichen. Die Auswertung der Rasteraufnahmen
ist noch nicht abgeschlossen.
Folgendes kann jedoch bereits festgestellt werden: Die meisten
Arten zeigten vegetative Regeneration. Neu hinzutretende Arten
gehörten bereits vor dem Störungseingriff zum Arteninventar
der angrenzenden Vegetation. |
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Petra Denkinger
Bearbeiterin für die vegetationskundlichen
Untersuchungen im Rahmen des Verbundes |
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