Landschaftswerkstatt


Waldspitzmaus (Sorex araneus)           Foto: René Krawczynski

Kleinsäugeruntersuchungen in terrestrischen Bereichen der Niederlausitzer Bergbaufolgelandschaft

Die Gebiete der Schlabendorfer-Felder repräsentieren den modernen Tagebau, dessen Bergbaufolgelandschaften (BFL) aus großen, teilweise unzerschnitten Arealen bestehen. Ein derartiger Eingriff in die Landschaft ist mit einer Naturkatastrophe vergleichbar, ähnlich einem Hochwasser oder einem Erdbeben. Während aber in der Kulturlandschaft, beispielsweise beim Elbehochwasser, die Schäden in relativ kurzer Zeit behoben werden, wird der Natur in Bereichen natürlicher, ungelenkter Sukzession Zeit gegeben sich zu erholen. In diesen Gebieten können sich seltene Tier- und Pflanzenarten etablieren die anderorts bereits verschwunden sind.

Die großflächige Störung der Landschaft macht die allmähliche Wiederbesiedlung durch am Boden lebende Kleinsäuger interessant. In den Bergbaufolgelandschaften, in denen durch den Wegfall bestimmter Beutetiere (Regenwürmer, Schnecken, usw.) ein eingeschränktes Nahrungsspektrum vorherrscht, verschieben sich die Proportionen von Spitzmausgemeinschaften. Die außerhalb der BFL häufig auftretende Waldspitzmaus (Sorex araneus) und Zwergspitzmaus (Sorex minutus) kommen seltener vor, wohingegen Feldspitzmaus (Crocidura leucodon) und Gartenspitzmaus (Crocidura suaveolens), auch bedingt durch das trockenere Klima, diese Flächen verstärkt aufsuchen.

Durch die starke Kontrastierung der BFL mit unterschiedlichen Biotoptypen wie offenen Sandflächen, Trockenrasen und Hochgrasbeständen sowie Kiefern- und Roteichenforsten etablieren sich Kleinnagergemeinschaften auf engstem Raum. Die Waldmaus (Apodemus sylvaticus), eine Art mit einer Vorliebe für Grenzstrukturen, kommt nahezu flächendeckend vor. Arten wie Gelbhalsmaus (Apodemus flavicollis) und Rötelmaus (Clethrionomys glareolus) sind eher in Laubwäldern anzutreffen während die Feldmaus (Microtus arvalis) Hochgrasstrukturen bevorzugt. In der BFL kommen diese Arten teilweise auf denselben Flächen vor, jedoch wechseln die Abundanzen innerhalb der Jahreszeiten und zwischen den Jahren. Das eingeschränkte Artenspektrum an Kleinsäugern im Vergleich zur gewachsenen Landschaft minimiert die Anzahl unbekannter Variabeln, sodass sich die Interaktionen der Arten untereinander besser erklären lassen. Die BFL stellt somit ein Freilandlabor dar, in der Kleinsäugergemeinschaften quasi unter definierten Bedingungen studiert werden können.


Kleinsäugerfang bei Nacht mit Studenten der BTU Cottbus.           Foto: Michael Dieke

Die Untersuchungen von Kleinsäugergemeinschaften werden mit Lebendfallen durchgeführt, die in Fallenlinien und -quadraten aufgestellt werden. Als Köder wird für Echte Mäuse und Wühlmausartige in erster Linie Erdnusscreme, für Spitzmäuse Fischpastete verwendet. An besonders heißen Tagen wird zusätzlich ein Apfelstückchen zum Ausgleich des Flüssigkeitsverlustes dazu gelegt. Die Kontrollen der Fallen erfolgen in einem 3 bis 6 stündigem Rhythmus. Bei jedem Fang werden die Art und das Geschlecht sowie der Fortpflanzungsstatus festgestellt.
Die Tiere werden gewogen und die Schwanz-, Hinterfuß- und eventuell Ohrlänge wird gemessen. Mittels einer ins Ohr tätowierten Ziffer erhalten die Tiere eine individuelle Markierung. Abschließend werden die Tiere am Fangplatz wieder freigelassen.


Waldmaus (Apodemus sylvaticus) mit Ohrtätowierung.           Foto: Andrea Saathoff

Auf diese Weise liegen Daten zum Artenspektrum und zur Habitatwahl der Arten vor. Aufgrund der individuellen Markierung können Aussagen zum Aktionsraum und zur Populationsgröße vorgenommen werden. Die unterschiedlichen Schwanz- und Hinterfußlängen dienen zum einen der eindeutigen Bestimmung der Arten. Zum anderen lässt sich die Populationsstruktur feststellen, da juvenile, subadulte und adulte Tiere einer Art unterschieden werden können.


Rötelmaus (Clethrionomys glareolus) vor der Freilassung.           Foto: Andrea Saathoff

Ziel der Untersuchungen zur Kleinsäugerfauna ist die Ermittlung des Artenspektrums in unterschiedlichen Entwicklungsstadien von Roteichenforsten sowie ein Vergleich zu Hochgrasflächen der BFL bzw. angrenzenden Bereichen. In Bereichen in den mehrere Arten parallel nebeneinander vorkommen sollen die Interaktionen analysiert werden.


Foto: Jadranka Mrzljak

Bearbeiter:
Detlef Rathke
Diplom Biologe

Lehrstuhl Allgemeine Ökologie
Konrad-Wachsmann-Allee 1
3046 Cottbus

Telefon: 0 355 - 69 33 00
Telefax: 0 355 - 69 22 25
E-Mail: rathke@tu-cottbus.de

 

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