Landschaftswerkstatt

Wechselwirkungen im Boden – Tiere, Pilze und Pflanzen im Nahrungsnetz

Im Boden gibt es vielseitige Wechselwirkungen der Lebewesen miteinander. Vor allem die Bodentiere (Bodenfauna) weisen eine intensive Beziehung zu Pflanzenwurzeln, deren Mykorrhiza sowie zu dem dazugehörigen Pilzmyzel auf. Diese Interaktionen werden in Laborexperimenten sowie in Geländeuntersuchungen in den Schlabendorfer Feldern genauer untersucht.
Zahlreiche Vertreter der Bodenfauna ernähren sich von den Hyphen der Mykorrhizapilze. Dies gilt vor allem für die Springschwänze (Collembolen), die in heimischen Böden sehr zahlreich sind. Die Auswirkungen für die Pilze können dabei sehr unterschiedlich sein: Bei bestimmten Siedlungsdichten der Tiere wird das Wachstum der Pilze gefördert (Mutualismus); es kann jedoch auch zu einer Beeinträchtigung der Pilze kommen. Dabei sind Collembolen in der Regel sehr variabel in ihrer Nahrungswahl, weisen jedoch Vorlieben (Präferenzen) für bestimmte Pilze auf. Dies kann die Zusammensetzung der Pilzgemeinschaften in einem Boden beeinflussen. Auf der anderen Seite hat das Vorkommen bestimmter Pilzarten wiederum Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Collembolen-Gemeinschaften in diesem Boden. Es bestehen also wechselseitige Abhängigkeiten, die sowohl positiv als auch negativ sein können.



Springschwanz der Art Folsomia candida nach einer Häutung.


Durch diese Wechselwirkungen haben Collembolen wie auch andere Vertreter der Bodenfauna Einfluss auf die Zusammensetzung der Pilzgemeinschaft im Boden und damit indirekt auch auf Versorgung der mykorrhizierten Pflanzen mit Wasser und Nährstoffen. Andererseits hat die Zusammensetzung der Pflanzengemeinschaften Auswirkungen auf die Pilzgemeinschaften und dadurch indirekt auf die Zusammensetzung der Bodenfauna. Zwischen diesen drei Gruppen im Boden – Pflanze, Mykorrhizapilz und Bodenfauna – bestehen somit intensive und komplexe Zusammenhänge, über deren Vielfalt und Intensität noch wenig bekannt ist.
Deshalb kooperieren zwei Forschergruppen – das Teilprojekt „Mykorrhizapilze“ und das Teilprojekt „Bodenfauna“ – in der Analyse dieses komplexen Beziehungsgeflechtes. Es werden die Wechselwirkungen zwischen Roteichen, den Mykorrhizapilzen an ihren Wurzeln sowie der Bodenfauna untersucht. Im Zentrum der Forschung stehen Präferenzen der Organismen sowie die Frage, wie diese die Zusammensetzung der Lebensgemeinschaften sowie deren Entwicklung beeinflussen. Zu diesem Zweck werden Untersuchungen sowohl im Labor als auch in den Schlabendorfer Feldern durchgeführt, um Rückschlüsse über die Auswirkung der Bodenorganismen auf die Landnutzung zu gewinnen. Die Ergebnisse sollen im weiteren Verlauf des Projektes in den Austausch mit den Akteuren im Rahmen der Landschaftswerkstatt eingebracht werden.




Fraß von Springschwänzen am Pilzmyzel vom Ringlosen Butterpilz (Suillus collinitus).

 


Springschwanz an Eiern, gelegt am Pilzmyzel vom Ringlosen Butterpilz.

Beteiligte Wissenschaftler:
Dipl. Landschaftsökologe Michael Elmer (BTU Cottbus)
M.Sc. Jörg Böllmann (BTU)
Dr. Jens Wöllecke (BTU)

 

Kooperation der Projekte:
• Mykorrhizapilze und ihre Aufgaben im Ökosystem Wald
• Sukzession und Diversität der Bodenfauna in den Schlabendorfer Feldern

 

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