Forstwirtschaft auf Kippenflächen - ein Gespräch
mit Peter Pasieka, Revierleiter Groß Beuchow (21.10.
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Das Revier gehört zur Oberförsterei Calau und ist
3460 ha groß, weit über 90 % sind Kippenflächen,
die sowohl in Schlabendorf Nord, als auch in Schlabendorf
Süd und in Seese liegen. Das Revier besteht zu etwa 12
% (420 ha) aus Landeswald, hier besteht der größte
Gestaltungsspielraum für einen Revierförster. 1720
ha sind Privatwald, 890 ha befinden sich in treuhänderischer
Verwaltung, werden aber in absehbarer Zeit privatisiert. Ein
kleiner Rest, der überwiegend auf gewachsenem Land zu
finden ist, besteht aus "Kleckerflächen", die
Kleinwaldbesitzern gehören.
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Das Revier Groß Beuchow bei Lübbenau
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1. Selbstverständnis als Förster in der Bergbaufolgelandschaft
Forstoberinspektor Pasieka ist erst seit 1. 7. 04 Revierleiter
in Groß Beuchow, zuvor hatte er ein südöstlicher
gelegenes Revier inne. Die Übernahme erfolgte in einjähriger
Zusammenarbeit mit seinem Vorgänger, Herrn Mudra. Der
Standort ist Pasieka von früheren Arbeitseinsätzen
als Lehrling vertraut, damals war er hier zu Aufforstungen
beschäftigt. "Ich hätte mir früher nicht
träumen lassen, dass ich einmal Kippenförster werde,
aber nun ist es so gekommen, und eigentlich ist es eine spannende
Aufgabe." Der Reiz der Aufgabe resultiert für Pasieka
aus dem Gestaltungsspielraum des Försters - er kann versuchen,
Pflege und Bewirtschaftung in seinem Revier langfristig so
zu ordnen, dass ein strukturreiches, attraktives Waldbild
gefördert, eine reiche Holzernte ermöglicht und
eine nachhaltige, mit der forstlichen Nutzung im Einklang
stehende Jagdpraxis etabliert wird. Das ist zwar grundsätzlich
die Aufgabe eines Försters, aber auf den Kippenflächen
hat diese Arbeit einen Pioniercharakter, denn die Bestände
sind jung und formbar. Die Aufforstungen der Kippen sind im
Wesentlichen in den achtziger Jahren abgeschlossen worden.
Ein Förster, der aktiv gestaltend in solche Flächen
eingreift, kann damit rechnen, am Ende seiner Dienstzeit deutlich
sichtbare Ergebnisse erzielt zu haben.
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Weg durch einen 33-jährgen Roteichenbestand. Wegen der
starken Abhängigkeit der Wuchsleistung vom Grundwasserstand
ist das Alter der Pflanzungen ist auch für Fachleute
oft nicht leicht zu erkennen und muss anhand von Karten oder
Jahresringzählungen bestimmt werden, was bei den oft
sehr dünnen Stämmen nicht einfach ist.
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2. Perspektive für die Waldentwicklung im Revier, unmittelbare
und längerfristige Aufgaben
Zunächst, resümiert Pasieka, sei es nötig,
dass er sein neues Revier so gut wie möglich kennen lerne.
Wegen der übersichtlichen Strukturen, die weniger verschlungen
als auf gewachsenem Land sind, wo sich langfristige historische
Entwicklungen in der Flächenstruktur widerspiegeln, sei
dies zwar relativ einfach, trotzdem stecke der Teufel oftmals
im Detail - gerade was die Bestockung anbelangt. Die letzte
Forsteinrichtung stammt aus dem Jahre 1989, seitdem ist viel
passiert und die Flächen haben sich verändert. "Wir
arbeiten erst einmal an einer vernünftigen Aufstellung,
müssen die Eigentumsarten klären und schauen, was
wir haben, und was wir nicht haben." Dabei differenziert
sich der Arbeitsauftrag nach dem Eigentumsstatus der Flächen:
a) Landeswald
Beim Landeswaldanteil arbeitet Pasieka an einer langfristigen
Bewirtschaftungsstrategie - nach und nach werden die gesunden
und wuchsfreudigsten Bäume in einem bestimmten Abstand
zueinander freigestellt, wobei nicht nur die geschädigten
und schwachen Pflanzen entnommen werden, sondern ebenso jene,
die überproportional stark wachsen, die so genannten
Protzen, da diese ihre Nachbarn zu stark in ihrem Aufwuchs
beeinträchtigen. 17.000 Setzlinge waren einst je ha gepflanzt
worden. Nach Jungbestandespflege, Läuterung und Bestandespflege
werden es nur noch 150 je ha sein. Bislang hat Pasieka dies
auf 30 ha vornehmen können: "Ich fahre also durchs
Revier und zeichne die Bestände aus, d.h. ich markiere
die Z-Bäume." Die Bedränger dieser Zukunftsbäume
werden entnommen. Pasieka will diese Arbeit aber vorsichtig
angehen, denn noch steht viel Wild in den Flächen und
jeder dritte bis vierte Baum ist geschält. Eine unmittelbare
Nutzung steht für die Kippenflächen im Bereich der
Schlabendorfer Felder nicht an. "Das ist vielleicht in
5-10 Jahren möglich. Die Nutzung von Industrieschichtholz
mit geringem Brusthöhendurchmesser wäre eventuell
möglich, da die Nachfrage durch die Industrie steigt.
Gegenwärtig wird niemand in diese Flächen einen
Harvester hineinschicken wollen." Die Nutzungsperspektive
hängt stark vom Waldwachstum ab, was aber schwer planbar
ist. "Die Bestände wachsen nicht schlecht. Entscheidend
ist aber der Anstieg des Grundwassers. Selbst dort, wo gleiche
Böden aufgeschüttet sind und gleiche Bestände
angelegt worden sind, wachsen die Bäume verschieden,
weil sie aufgrund des Reliefs unterschiedlich vom Grundwasseranstieg
profitieren können." Was die Auswirkungen des landesweiten
Waldumbauprogramms auf seine Flächen anbelangt, ist Pasieka
noch zurückhaltend. Die derzeit vorhandenen Kiefernmonokulturen,
auch die Roteichen und die alten Birken- und Pappelbestände
spiegelten nun einmal die Leistungsfähigkeit der Standorte
wieder, die Abfälligkeit, mit der manche Kreise im Umfeld
von Ökologen und Naturschützern von diesen Kulturen
sprächen, teilt er nicht. Man müsse sehen und abwarten,
was der Grundwasseranstieg dermaleinst an anderen Baumarten
zulasse. "Eine für 2005 und 2006 geplante Standortserkundung
wird die Wahl von Baumarten für Aufforstungen und Waldumbau
erleichtern."
Im Gegensatz zu früheren Zeiten haben die Revierleiter
in der Oberförsterei Calau keine eigenen angestellten
Waldarbeitermehr zu betreuen, sondern es gibt ein Team aus
neun Leuten für die ganze Oberförsterei. Dieses
wird in allen Revieren eingesetzt, wobei die anfallenden Arbeiten
in diesen Revieren nach Dringlichkeit klassifiziert sind.
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Kiefernmonokultur auf einem Kippenboden in Schlabendorf Nord.
Der Umbau zu abwechslungs- und strukturreichen Waldbildern
soll standortgemäß erfolgen. Die Standorte sind
aber wegen ihres dynamischen Wasserhaushalts noch nicht hinlänglich
bestimmt.
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b) Treuhandwald
Für die Pflege jener Wälder, die sich in treuhänderischer
Verwaltung befinden, gab es im letzten Jahrzehnt noch Fördergelder,
die inzwischen nicht mehr fließen. Hier kann Pasieka
als Revierförster nur die nötigsten Dinge ausrichten
und muss sich im Übrigen auf die hoheitlichen Pflichten
gemäß dem brandenburgischen Waldgesetz beschränken.
Das umfasst vor allem der Schutz des Waldes vor Missbrauch,
Vermüllung und Bränden. "Forstschutzmaßnahmen
werden in allen Eigentumsarten gleichrangig behandelt."
Für eine Pflege- und Bewirtschaftungsperspektive benötigt
ein Revierleiter aber einen Partner, der mehr Interessen hat
als eine treuhänderische Verwaltung.
c) Privatwald
Eine wichtige und in ihrem Umfang zunehmende Aufgabe ist die
Betreuung des Privatwaldes und die Zusammenarbeit mit den
Waldbesitzern. "Die Reviere werden immer größer,
da der Anteil der Privatflächen zunimmt. Eigentlich wird
man zunehmend zum Betreuungsförster." Die Bewirtschaftung
durch die eigenen Waldarbeiter verliert also immer mehr an
Bedeutung, die Reviere wachsen. Waren sie einst 1000-1500
ha groß, liegt Pasieka nun mit 3.500 ha durchaus im
Mittelfeld und kann sich auch vorstellen, dass es einstmals
auch Reviere von 4.000-5.000 ha Größe geben wird.
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Die Randbepflanzung der Schonungen ist teilweise mit alternativen
Gehölzen wie Sanddorn, Weide und Traubenkirsche ausgeführt
worden.
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Zunächst erstreckt sich die Arbeit mit den Waldbesitzern
auf die forstliche Pflege. "Es ist nicht immer leicht,
die Besitzer zu einer Pflege ihrer Bestände zu bewegen,
da ihr Interesse an den Wäldern zu 90 % der Jagd gilt."
Außerdem seien die Bergbaufolgeflächen wegen der
institutionellen und eigentumsrechtlichen Umwälzungen
des letzten Jahrzehnts auch nicht übermäßig
gepflegt worden, weshalb eine gewisse Vorbildwirkung fehle.
Wenn Pasieka bestimmte forstliche Pflegemaßnahmen sinnvoll
erscheinen, kann er diese den Waldbesitzern nahe legen und
ihnen anbieten, dafür Fördergelder bereitzustellen.
"Im Prinzip können diese die Fördergelder dann
auch mit eigenen Kräften einsetzen, das sehe ich aber
wegen der fachlichen Standards, die eingehalten werden müssen,
nicht so gern." In der Zusammenarbeit mit den Waldbesitzern
gewinnt eine soziale Komponente des Forstberufs immer mehr
an Bedeutung. "Wir müssen dran bleiben und sehen,
dass die Leute forstlich pflegen, wenigstens 10-15 ha im Jahr."
Dabei ließen sich drei verschiedene Beziehungsformen
der Eigentümer zu ihren Wäldern unterscheiden.
Zuerst seien jene zu nennen, die Restitutionsflächen
besäßen, wie die Familie Graf zu Lynar in Lübbenau
- bei diesen bestünde ein enges Verhältnis zum Wald,
da es sowohl eine familiäre Tradition der Waldbewirtschaftung
als auch ein direktes Verhältnis zu den Flächen
und zur Region gebe. Die Familie Lynar ist der Haupteigentümer
von Waldflächen in Pasiekas Revier. Pasieka hat bereits
30 ha ihrer Flächen durchforstet. Eine komplette Betreuung
durch die Landesforst wolle sie inzwischen nicht mehr, da
ihr dies zu teuer sei, man habe sich aber auf "tätige
Mithilfe und Einzelleistungsnachweise" geeinigt.
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Die weithin verpönten Robinienbestände der Bergbaufolgelandschaft
konnten zumindest naturschutzfachliches Interesse wecken.
Die lichten, vorwaldähnlichen Strukturen werden z.B.
von Wiedehöpfen geschätzt.
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Eine zweite Gruppe der Privateigentümer bilden Alteigentümer
von Bodenreformflächen und kleinflächige Waldbesitzer.
Diese seien oftmals zu alt für eine Bewirtschfteung,
sind sie Verstorben, haben die Ereben oftmals keine odernur
eine geringe Beziehung zum Wald, sie erachten ihn als "Klotz
am Bein". Der Schwerpunkt siegt hier in der Überzeugungsarbeit:
"Man muss Verständnis zum Wald aufbauen, auch beim
Kleinprivatwald. Das gehört zu meinen forstlichen Hauptaufgaben
im Privatwald."
Schließlich hat auch die Heinz-Sielmann-Stiftung im
Revier Groß Beuchow einen großen Anteil der Flächen
erworben. Diese vertritt naturgemäß naturschutzfachlich
orientierte Waldentwicklungsziele. Pasieka geht von einer
guten Entwicklung der Zusammenarbeit aus.
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Holzeinschlag wegen Sprengarbeiten in der Tornower Niederung
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Wegen Sprengarbeiten zur Verdichtung der entstehenden Uferbereiche
gingen einige Forstflächen wieder verloren. Pasieka:
Ich muss erst mal sehen, was ich hab, und was ich nicht hab.
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Die Jagd
ist in Pasiekas Revier auf drei Weisen geregelt: als Verwaltungsjagd
in den Landes- und Treuhandflächen, als Eigenjagd in
Eigenjagdbezirken, die nach dem neuen Waldgesetz nur noch
75 ha (statt wie bisher 150 ha) umfassen müssen und durch
Jagdgenossenschaften auf gepachteten Flächen. Die Pacht
wird für zwölf Jahre festgelegt, in Pasiekas Revier
sind die Preise gering, oft nicht mehr als 1,50 € je
Hektar, hinzu kommen 1,50 € Wildschadenspauschale. Diese
Pauschale wird angespart, um für den Fall eines Wildschadens
(etwa auf einer Ackerfläche durch Ernteausfall) einen
Ausgleich zahlen zu können. Auf den Privatwaldflächen
liegen die Pachtpreise z.T. höher, hier können sie
5-20 € betragen.
Eine wichtige Einnahmequelle durch die Jagd ist die Vermarktung
einzelner Wildstücke an zahlende Kundschaft aus den Städten.
In diesem Fall muss Pasieka gewährleisten, dass die Kunden
das Stück Wild, das sie sich wünschen, auch vor
die Flinte bekommen. So etwas kann einige Tage dauern.
Ausblick
Peter Pasieka freut sich auf die Aufgabe, die ihm bevorsteht,
geht sie aber mit Vorsicht und ohne Aktionismus an. Detaillierte
Zahlen sind sicher von ihm zu erhalten, Voraussetzung sind
aber klare Vorstellungen über die benötigten Daten.
Entscheidend ist die Bewirtschaftungsperspektive, die geringe
Holzentnahme zu wirtschaftlichen Zwecken in den nächsten
Jahrzehnten vorsieht. Die gegenwärtigen Schwerpunkte
liegen also auf Pflege, Entwicklung und Jagd.
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